Behördengeschichte:
Das im Oktober 1887 eröffnete "Seminar für Orientalische Sprachen an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin" (S.O.S.) [1] war eine von Preußen und dem Deutschen Reich zu gleichen Teilen finanzierte und vom preußischen Kultusministerium unter ständiger Mitwirkung des Auswärtigen Amtes verwaltete Lehranstalt, welche nach dem Beispiel der seinerzeit in Wien und Paris bereits bestehenden Sprachschulen neben und unabhängig von der Universität in geordneten systematischen Lehrgängen eine gründliche Kenntnis der lebenden Haupt- und Verkehrssprachen des Orients, Ostasiens und Ostafrikas vermitteln sollte. Im Zusammenhang mit dem Sprachunterricht wurden zudem Vorlesungen und Übungen gehalten, welche eine zusammenhängende Einführung in die moderne Geschichte, Geografie, in die Sitten und Gebräuche sowie in die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Verwaltungszustände der betreffenden Sprachgebiete bezweckten. Für jede Sprache wurde ein mit den Landesverhältnissen und der Landessprache vertrauter deutscher Lehrer bestellt und demselben ein aus den Einheimischen des Landes stammender Lektor zur Seite gestellt. Mitglieder des S.O.S. konnten sowohl Aspiranten für den Dolmetscherdienst des Auswärtigen Amtes als auch Angehörige sonstiger Berufsstände werden, sofern sie eine für ausreichend erachtete sittliche und geistige Reife besaßen. Mit der fortschreitenden Entwicklung der überseeischen und insbesondere der kolonialen Interessen des Deutschen Reichs wurde das Lehrprogramm des S.O.S. sukzessive erweitert bzw. den Bedürfnissen der deutschen Kolonialpolitik und der deutschen Handelsinteressen im Ausland angepasst. Das 1936 in "Ausland-Hochschule" umbenannte S.O.S. sowie die unter der Aufsicht des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda stehende Hochschule für Politik [2] wurden im Januar 1940 durch Erlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zur "Auslandswissenschaftlichen Fakultät" der Universität Berlin vereinigt [3].
Bestandsgeschichte:
Das im Geheimen Staatsarchiv PK innerhalb der I. Hauptabteilung (HA) als Repositur (Rep.) 208 A zusammengefasste Schriftgut aus der Provenienz des Seminars für Orientalische Sprachen bzw. der Ausland-Hochschule ist im Januar 1946 von der Bücherbergungsstelle beim Magistrat der Stadt Berlin an das Geheime Staatsarchiv bzw. an das Hauptarchiv für Behördenakten in Berlin-Dahlem abgegeben worden. Der dort zunächst mit der Repositurnummer 325 bezeichnete Bestand wurde ab 1947 bis Ende 1949 durch Dr. Kurt Forstreuter aufgrund fehlender Registraturordnungen nach sachlichen Zusammenhängen neu geordnet und nach dem Bärschen Prinzip karteimäßig verzeichnet [4]. Immer wieder auftretende Unregelmäßigkeiten bei der Bereitstellung von Archivalien, welche mutmaßlich auf Umlagerungen im Magazin und mehrmalige Änderungen von Bestellsignaturen zurückgeführt wurden, führten 1978 zu einer eingehenden Revision und partiellen Neuverzeichnung des seit Mitte der 1950er-Jahre mit der Repositurnummer 208 A bezeichneten Bestandes durch Karl Holz und Eckart Henning [5]. Im Rahmen der zum Zwecke einer Onlinestellung durchgeführten Retrokonversion des maschinenschriftlichen Findbuches von 1978 ist die bestehende Ordnung und Verzeichnung des Bestandes nach Maßgabe der Verzeichnungsrichtlinie des GStA PK für Akten des 16. bis 19. Jahrhunderts [6] durch den Unterzeichner überarbeitet worden.
Verweis auf einschlägige Bestände und Nachlässe des GStA PK:
- GStA PK, I. HA Rep. 76 Kultusministerium - GStA PK, I. HA Rep. 303 Deutsche Hochschule für Politik - GStA PK, VI. HA, Nl Friedrich Theodor Althoff - GStA PK, VI. HA, Nl Carl Heinrich Becker - GStA PK, VI. HA, Nl Kurt Forstreuter.
Formalangaben:
Letzte vergebene Nummer*: 488 (* bei Signierung nach nc)
Umfang (in laufenden Metern): 12
Lagerungsort: Dahlem
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 208 A Seminar für Orientalische Sprachen, Nr. #
Berlin, 20. März 2023 T. Breitfeld
Anmerkungen:
[1] Vgl. Gesetz, betreffend die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen vom 23. April 1887 (RGBl. S. 193) und Bekanntmachung, betreffend das Seminar für Orientalische Sprachen an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin vom 5. August 1887 (RAnz. Nr. 182) [2] Vgl. Erlass des Führers und Reichskanzlers über die Errichtung einer Hochschule für Politik als Anstalt des Reichs vom 30. September 1937 (RGBl. I S. 1255) [3] Vgl. Erlass und Bekanntmachung des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung über die Errichtung der Auslandswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Berlin und des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts vom 5. Januar 1940 (Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Amtsblatt des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Unterrichtsverwaltungen der Länder, 6. Jahrgang, S. 72) [4] Vgl. Altfindmittel, Nr. 921 [5] Vgl. Altfindmittel, Nr. 2375 [6] Vgl. Vorgaben zur Verzeichnung im Geheimen Staatsarchiv PK. 1. Verzeichnung von Akten. Überarbeitete Fassung vom 24. Februar 2020. |